„Gemeinschaft Leben“ ist unser Motto seit Gründung unserer Alzheimer Gesellschaft. MARO leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, denn Demenz-Wohngemeinschaften tragen unser Leitbild bis in den Alltag von Menschen hinein, die rund um die Uhr professionelle Versorgung benötigen. Petra Stragies, 1. Vorsitzende, Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e.V.

Unsere Gesellschaft wird nicht nur älter, auch ihre Vorstellung vom Leben im Alter ändert sich. Mehr als 80% wünschen sich im Alter eine Alternative zur stationären Versorgung, mehr Mitbestimmung und einen möglichst „normalen“ Alltag in vertrauter Umgebung.

Mit der Initiierung von Wohngemeinschaften soll genau diese Rechte gefördert werden. Statt pflegerischer Abläufe steht ein aktiver Alltag, die individuelle Betreuung und die Mitgestaltung durch die Angehörigen im Mittelpunkt. Eine kleine Gemeinschaft mit hohem Personenbezug ermöglicht eine individuellere Betreuung und Pflege.

Wohngemeinschaften für Demenz und Pflege sind eine zentrale Antwort auf den lang geforderten Strukturwandel in der Pflege und werden daher in Bayern vom Staat ausdrücklich gefördert. Dabei sind Wohngemeinschaften nicht als Konkurrenz zu bestehenden stationären Einrichtungen, sondern viel mehr als intelligenter Angebotsmix gerade für die ländliche Region zu sehen. Diese kleinteilige Lösung kann besonders gut in vorhandene Versorgungsstrukturen integriert werden.
 
 

Was macht Demenz- und Pflege-WGs aus?

Demenz- und Pflege-WGs bilden eine innovative Wohnform zwischen häuslicher Betreuung und stationärem Pflegeheim. Das Leben der Bewohner orientiert sich so nah wie möglich an einem „normalen“ Alltag. Sie verrichten alltägliche Aufgaben wie z.B. Gemüse waschen oder den Tisch decken und erhalten sich dadurch wichtige Kompetenzen. Verhaltensauffälligkeiten treten nachweislich seltener auf als in Pflegeheimen.

Angehörige vermeiden eine Überforderung durch die häusliche Pflege, können sich jedoch jederzeit in den Alltag der Wohngemeinschaft einbringen. Bei den Pflegekräften sinkt das Risiko eines „Burn-Out“, denn sie werden maximal 30 Stunden pro Woche eingesetzt. Mehr noch, es bleibt Zeit für die Dinge, die einen Tag lebenswert machen, wie Menschlichkeit und persönliche Ansprache.

Beim Aufbau von Projekten dieser Wohnform orientierten wir uns an einem praxiserprobten und wissenschaftlich fundierten Wohn- und Betreuungskonzept:

  • Jede Wohngemeinschaft hat 9 – 12 Bewohnerinnen und Bewohner
  • Barrierefreie, an den speziellen Bedürfnissen der Bewohner orientierte Architektur
  • Gemeinsame Wohnküche, Wohnzimmer und Gemeinschaftsräume
  • Wohnen nah am Wohnort und in überschaubarer, vertrauter Umgebung
  • Alltagsnahe Gestaltung des Gemeinschaftslebens mit der Möglichkeit, Aufgaben zu übernehmen und an gemeinsamen Unternehmungen teilzunehmen
  • Hohe Anzahl von 2 bis 4 Betreuungs-, Pflege und Hauswirtschaftskräften
  • Betreuung und Pflege an 24 Stunden / 7 Tagen die Woche durch einen ambulanten Pflegedienst bzw. Dienstleister
  • Transparente Kosten - keine teuren Verwaltungsgebühren

Wie sind WGs organisiert?

Die Mieter bzw. ein vertretungsberechtigter Angehöriger sind Mitglieder im sog. Angehörigen-Gremium. Als Mitglieder dieses Gremiums entscheiden sie über alle Angelegenheiten des Gemeinschaftslebens (z.B. über Art, Umfang der Betreuung, die Personalqualität oder die Auswahl neuer Mieter) Die Arbeit des Angehörigen-Gremiums erhält die hohe Lebensqualität und sichert die Kostentransparenz der WG: jeder kann nachvollziehen, wofür wie viel Geld ausgegeben wird.

Das Zusammenwachsen der Wohngemeinschaft wird durch eine externe Moderation unterstützt, die in regelmäßigen Abständen mit den Angehörigen und Bewohnern zusammentrifft.

Pflegeleistungen werden von den Bewohnern individuell gebucht und durch einen frei wählbaren ambulanten Pflegedienst geleistet. Die Wohngemeinschaft engagiert darüber hinaus einen Dienstleister, der sich um die Hauswirtschaft und die 24-stündige Betreuung der WG kümmert. Auch die Einbindung von ehrenamtlichen Helfern ist gewünscht.

Wichtig zu wissen: die Genossenschaft ist ausschließlich Bauherr und Vermieter – sie fungiert nicht als „Betreiber“ der Wohngemeinschaft. Alle wichtigen Entscheidungen zur Betreuung, Pflege, Personalqualität und Alltagsgestaltung treffen die Angehörigen, die sich zu diesem Zweck in einem sog. Angehörigen-Gremium organisieren.

Für wen eignen sich ambulant betreute Demenz-/Pflege-WGs?

Grundsätzlich gilt: Das Leben in der Gemeinschaft gelingt am besten, wenn die Beteiligten offen für das Zusammenleben mit anderen sind. WGs von MARO eignen sich darüber hinaus besonders für Menschen

  • mit anerkannter Pflegestufe
  • mit Demenz
  • mit dem Bedürfnis nach einem gemeinschaftlich gestalteten Alltag – ohne die starren Abläufe klassischer Heimbetriebe
  • mit Interessen am Leben in einer Gemeinschaft und Offenheit für ein neues Wohnumfeld
  • Angehörige sollten die Bereitschaft mitbringen diese selbst bestimmte Wohnform durch eigene Impulse und regelmäßiges Engagement aktiv zu gestalten. Hierzu kann es von Vorteil sein, wenn die Angehörigen in näherer Umgebung zur WG wohnen.

Wie gestalten sich die Kosten und die Finanzierung?

Die MARO plant, errichtet und vermietet die Demenz- und Pflege-WGs nach genossenschaftlichen Kriterien. So können wir sicherstellen, dass die Wohngemeinschaften in den Händen einer engagierten Anlegergemeinschaft liegen, der es um das Wohlbefinden der Mieter und nicht den gesteigerten Profit geht.

Das Eigenkapital für unsere Wohngemeinschaften wird vollständig durch Anlegerinnen und Anleger eingebracht, die entsprechend Anteile an der Genossenschaft erwerben. Die Mieter entrichten eine monatliche Miete.

Das folgende Beispiel zeigt die Kosten der Bewohner im Überblick:

  • Monatliche Miete pro WG-Platz inklusive Nutzung der Gemeinschaftsräume: 450 € bis 575 € Die Miethöhe richtet sich dabei nach Lage der WG und Größe des Einzelzimmers. Auf Antrag ist ein Wohnzuschuss über das Landratsamt oder die Bewilligung von Sozialhilfe möglich
  • Nebenkosten: 60-70 €
  • Haushaltskasse: 200 - 250 € In der Pauschale ist bereits eine Rücklage für Anschaffungen, Ausflüge oder Festlichkeiten enthalten
  • Eine Pauschale für 24 Std.-Betreuung und Hauswirtschaft: 1100€ bis 1.600€ abhängig vom Personalschlüssel, der Qualifikation und besonderen Wünschen des Gremiums
  • Pflegeleistungen werden über die Sachleistungen der Kranken-/Pflegekasse abgerechnet

Zuschüsse für niederschwellige Angebote und die Versorgung in einer Wohngruppe reduzieren den persönlichen Eigenanteil entsprechend.

Sollten die finanziellen Mittel nicht (mehr) ausreichen, so kann Sozialhilfe beantragt werden.
Für Mieter mit geringerem Einkommen greift die Wohnraumförderung des Landratsamtes.

Mehr Betreuung zu vergleichbaren Kosten – Wie geht das?

Unsere WGs werden nach einem Personalschlüssel betreut, der deutlich über dem von (Demenz-) Stationen in Pflegeheimen liegt. Bei einer Belegung von 10 Mietern kümmern sich beispielsweise zwei bis drei speziell ausgebildete Betreuungs- und Pflegekräfte gleichzeitig um eine aktive Alltagsgestaltung - an 7 Tagen in der Woche. Nachts ist eine Präsenz- oder Pflegekraft für die Wohnungsgemeinschaft verantwortlich. Dennoch sind die Kosten in einer Demenz- und Pflege-WG vergleichbar mit den Kosten in einem Pflegeheim bzw. einer spezialisierten Demenzstation.

Anders als in großen Einrichtungen ist kein Verwaltungsapparat zu finanzieren. Auch können Betreuungs- und Pflegeleistungen sehr bedarfsgerecht vereinbart werden. Die Angehörigen bestimmen über alle Ausgaben der WGs und halten so die Kosten transparent und in einem verträglichen Rahmen. Wie auch in genossenschaftlichen Wohnungen, wird der Mietzins stets an den Selbstkosten orientiert – es müssen also keine investorengesteuerten Gewinnvorstellungen „einkalkuliert“ werden.

Welche Möglichkeiten / Pflichten der Mitwirkung haben Angehörige?

In der Wohngemeinschaft gibt es keinen „Betreiber“. Bewohner und Angehörige haben Sie so deutlich mehr Mitwirkungsmöglichkeiten als in klassischen Pflegebetrieben.

Das Angehörigen-Gremium trifft alle wesentlichen Entscheidungen, z.B. welcher ambulante Pflegedienst in welchem Umfang pflegerische Leistungen erbringt. Oder auch, was gekocht wird, wie der Gemeinschaftsraum eingerichtet ist oder in welchem Umfang ehrenamtliche Helfer mit den Mietern z.B. musizieren, basteln, spazieren gehen.

Wie viel eigene Zeit und Arbeit Sie einbringen möchten hängt von Ihnen und den Beschlüssen im Angehörigengremium ab. In manchen WGs sind die Angehörigen sehr aktiv und engagieren sich mehrmals pro Woche z.B. in der Pflege des Gartens, der Vorbereitung von Festen oder bei einem Ausflug. In anderen WGs halten sich die Angehörigen stärker zurück und geben mehr Aufgaben an den Betreuungs- und Pflegedienst ab.

Wohngemeinschaften sollen Sie entlasten und Ihnen Freiräume aus dem Betreuungs- und Pflegealltag geben, damit wertvolle persönliche Aktivitäten wieder einen Platz finden. Wichtig in allen Fällen ist, dass Sie die Sitzungen des Angehörigengremiums besuchen (etwa alle 6 Wochen) und dort aktiv mitentscheiden und Verantwortung übernehmen.

Kann mit meiner Mitgliedschaft auch ein naher Verwandter einziehen?

Ja, das ist möglich. Unsere Satzung sieht ausdrücklich vor, dass wir Wohnraum auch für nahe Angehörige bereitstellen. Die Dauer der Mitgliedschaft ist eines unserer Vergabekriterien. Durch eine frühzeitige eigene Mitgliedschaft können Sie so für einen Angehörigen vorsorgen und ihr/ihm bessere Chancen auf einen WG-Platz sichern.

Aus steuerlichen Gründen ist zu beachten, dass der Inhaber der Mitgliedschaft später auch den Mietvertrag unterzeichnet. Ihr eigenes Recht auf Wohnraum erlischt damit nicht.

Wie sind meine Chancen einen WG-Platz zu bekommen?

Bei der Vergabe von WG-Plätzen gehen wir nach unseren Vergaberichtlinien vor. In einer Vergabesitzung werden alle Interessenten gesichtet und dann nach Kriterien geordnet. Die beiden wichtigsten Kriterien sind örtliche Verbundenheit und Dauer der Mitgliedschaft. Die Höhe der Genossenschaftsanteile spielt dagegen keine Rolle.

Wir empfehlen eine frühzeitige Interessensbekundung. Nicht immer ist sofort ein freier Platz verfügbar. Sollten Sie also einen langsam wachsenden Bedarf erkennen, können Sie sich gerne bei uns melden und sich vormerken lassen.

Müssen die Mieter bei schwerer Pflegebedürftigkeit / Demenz ausziehen?

Gerade nicht. Die WG ist ein Ort, an dem jeder Mieter nicht nur alt werden, sondern auch bei schwerer Pflegebedürftigkeit bleiben darf. Das Konzept der WG sieht ausdrücklich den Verbleib bis zum Tod vor.

Wie steht es mit der Qualitätssicherung? Gilt das Heimgesetz?

In Bayern unterliegen WGs nicht der Heimgesetzgebung. Das Bayerische „Pflege- und Wohnqualitätsgesetz“ (PfleWoqG) nimmt seit 2008 die WGs ausdrücklich von der Heimgesetzgebung aus und unterstellt sie einer eigenen, stark an den Bewohnern und Angehörigen ausgerichteten Regelung.

Eine jährliche Qualitätsprüfung erfolgt durch die staatlichen Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätsentwicklung und Aufsicht (kurz: FQA). Der Betreuungs- und Pflegedienst wird zusätzlich vom MDK (medizinischer Dienst der Kassen) geprüft.

Das Angehörigen-Gremium hat zudem das Recht Qualitätskriterien wie bspw. die regelmäßige Schulung der Betreuungs- und Pflegekräfte, Qualifikation, Sprachkenntnisse, therapeutische Ausbildungen etc. festzulegen.

Ist das eine neue Art von Betreutem Wohnen?

Der Unterschied zum sog. Betreuten Wohnen besteht vor allem darin, dass an jedem Tag 24 Stunden lang Betreuungs- und Pflegekräfte für die Mieter da sind. Sie werden speziell für die Aufgaben in Wohngemeinschaften weitergebildet und gestalten den Alltag der Mieter aktiv mit.

In den WGs werden alle Angebote vom Gremium organisiert - Sie müssen also keine extra Dienstleistungspauschale (meist 150-200€/Monat) für eine Servicestelle bezahlen. Und anders als im Pflegeheim können in den WGs die Wünsche und Bedürfnisse der Mieter und Angehörigen viel stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.