ABC der Demenz-Wohngemeinschaft

I – Integration

von Vlasta Beck

Mensch mit Demenz

Integration demenzkranker Menschen ist ein großes Wort. Sie ist wünschenswert, sie ist notwendig, sie sichert dem Menschen mit Demenz zu, sein Leben leben zu können. Gleichzeitig ist es eine Aufgabe, die er allein nicht leisten kann – ohne uns wird er draussen bleiben. Integration heisst die Spülmaschine falsch einzuräumen, im Beet alles jäten, was dort wächst, das Geschirr zum wiederholten Mal abspülen, den Kaffee in die Schüssel giessen und das Brot mit Joghurt bestreichen, während er oder sie die Marmelade aus dem Glas mit der Gabel isst. Wenn Erkrankte das alles trotzdem tun dürfen – im Schlafanzug den Arzttermin wahrnehmen, das Hemd auch eine Woche nicht wechseln, nicht täglich duschen müssen – haben sie uns in ihre Welt integriert. Dann kann auch die Integration in unsere Welt, und Jahrzehnte ja auch die des Erkrankten, gelingen.

Angehörige

Es ist fast unglaublich, aber bei manchen Angehörigen bedarf es wiederholter Integration in das „normale“ Leben. Die Versorgung eines demenzkranken Menschen braucht Kraft und Zeit. Die Welt des Versorgenden wird immer kleiner, Freunde und Bekannte bleiben nicht selten weg, weil sie mit der Situation nicht zurechtkommen. Es bleiben keine Reserven für Einladungen und Treffen, auch dann nicht, wenn jemand für die paar Stunden bei dem Betroffenen bleiben würde – weil allein kann man ihn nicht lassen. Nicht nur der Mensch mit Demenz bedarf der Integration – für den versorgenden Angehörigen gilt es genauso.

Wohngemeinschaft

Wohngemeinschaften sind integrative Wohnformen. Unter einem Dach wohnen verschiedene Menschen mit Demenz, in der Versorgungsteam arbeiten verschiedene Berufsgruppen (PflegerInnen, BetreuerInnen, HauswirtschafterInnen…), im Gremium sitzen sehr verschiedene Angehörige, die sich aktiv an der Wohngemeinschaft beteiligen, es kommen Ärzte, Therapeuten, Lieferanten… Es gibt Freunde, Bekannte, Nachbarn, die Gemeinde. Sie alle sind in das Leben in der WG mehr oder weniger integriert. Die Wohngemeinschaften stehen nicht „auf der grünen Wiese“, sie sind immer in den Ort integriert.

Das ganze ABC

Am Anfang steht die Veränderung, der Gedächtnisschwund, die mangelnde Orientierung, die Angst, die Sorge, aber auch die Idee einer Gemeinde eine Demenz-Wohngemeinschaft zu bauen und der erste Kontakt zu der MARO Genossenschaft. Alle brauchen Begleitung, um bessere Chancen zu bekommen – die einen um die Situation zu meistern, die anderen um die Idee der Wohngemeinschaft zu realisieren. Dazu bedarf es verschiedener Dienste, ob als Privatperson oder Gemeinde. Sie schaffen Entlastung, sie schaffen mehr Freiheit zu handeln, sie schaffen das gute Gefühl Hilfe zu bekommen. Die Umsetzung des Vorhabens führt schließlich zur Integration – des Betroffenen in die Wohngemeinschaft, des Angehörigen ins Gremium, und: die Hilfe wird zugelassen und ins Leben integriert. Beteiligen sich Jung und Alt an dem Projekt so ist das optimal. Es werden Koalitionen gebildet, um den Leitgedanken zu realisieren, in einem Miteinander relative Normalität für Menschen mit Demenz zu schaffen. Es wird fortwährend optimiert, damit das Ganze in der Praxis umsetzbar bleibt. Es wird gebaut, viel gearbeitet, viel überlegt, fast rund um die Uhr damit am Ende die Qualität stimmt und die Rund-um-die-Uhr-Versorgung (ent-)steht. Sie bietet Schutz und Sicherheit in dem: die Tagesgestaltung den Bedürfnissen der demenziell Erkrankten entspricht; sie und Angehörige die nötige Unterstützung bekommen; die Vielfalt im Alltag nicht verloren geht. Das bedeutet unterm Strich: die Werte der MARO Genossenschaft – Grundlage der Projektidee – vor Augen zu haben. Bleibt man der Idee treu, öffnen sich X Möglichkeiten, um ans Ziel zu gelangen.

 

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