–– Martin Okrslar und Vlasta Beck

Die erste ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaft der MARO Genossenschaft,
ein Interview mit Martin Okrslar

von Magdaléna Matejkova

Martin Okrslar ist zusammen mit Inge Schmidt-Winkler Gründer der MARO Genossenschaft und seither neben Inge Schmidt-Winkler und Manuela Jooß ihr Vorstand.

MM: Martin, woher stammt die Idee, genossenschaftliche Wohngemeinschaften für demenziell erkrankte Menschen zu gründen?

MO: Die Idee für Demenz-Wohngemeinschaften gibt es schon lange. Ich habe im Jahr 2010 erstmals davon gelesen und fand das eine wichtige Sache. Ich glaube die erste Demenz-Wohngemeinschaft in Bayern gab es ab 2004 in Obersteinbach. Die hat damals ein Pionier auf den Weg gebracht, mit sehr viel Idealismus und auch persönlichem Risiko.

MM: Und wann kam es dann dazu, die Idee in die Realität umzusetzen?

MO: Naja, das war von Anfang an bei der MARO klar. Die Wohngemeinschaften waren der Kern der MARO, ohne die Idee, Demenz-Wohngemeinschaften als Projekt zu systematisieren und in die Breite zu tragen, hätte es die MARO nie gegeben.
Die Wohnprojekte kamen in der Konzept- und Recherche-Phase der MARO dazu – los ging es mit der Frage, welche Rechtsform die Wohngemeinschaften brauchen, damit die Sache – und nicht das Geld – zuverlässig und dauerhaft im Vordergrund steht. So kam es zur Rechtsform Genossenschaft.
Also: ohne Wohngemeinschaften hätte es die MARO nie gegeben!
Demenz-Wohngemeinschaften sind auch heute noch ein Herzensthema. Der Aufwand und die Komplexität sind wirtschaftlich gesehen völlig unverhältnismäßig: mit dem selben finanziellen und personellen Aufwand könnten wir mehr Wohnungen bauen. Das ist uns aber egal, es geht um die Sache und nicht um die Maximierung der Wirtschaftlichkeit – wobei die Wohngemeinschaften natürlich auch wirtschaftlich sind!

MM: Wie verlief die Umsetzung? Wie lange dauerte es?

MO: Bis zur ersten Wohngemeinschaft in Weilheim hat es vier Jahre gedauert. Mit Inge Schmidt-Winkler habe ich ab 2011 angefangen, die Idee und das Thema vorzubereiten. 2012 wurde die MARO gegründet. 2016 war dann Einzug in die erste Wohngemeinschaft in Weilheim. Dazwischen haben wir erst mit der Stadt zusammen ein Grundstück gesucht und dann über ein Jahr lang die ersten Genossenschaftsanteile eingeworben. Mehrmals sah es so aus, als würde es nicht klappen und als würde das Projekt scheitern. Zähne zusammenzubeissen und mit dickschädligem Willen nicht aufzugeben und immer wieder neue Anläufe zu nehmen, bis es klappt, hat sich dann letztendlich bewährt.

MM: Bisher sprachen wir von Demenz-Wohngemeinschaften. In Dietramszell ist nun die erste Pflege-Wohngemeinschaft bezugsfertig. Wie kam es dann zu dieser Erweiterung?

MO: Das erschien uns völlig logisch, von Anfang an. Wir wollten aber erst einmal Erfahrungen mit Demenz-Wohngemeinschaften sammeln, daher hat Weilheim – obwohl zwei Wohngemeinschaften im Gebäude sind – nicht eine Pflege-Wohngemeinschaft und eine Demenz-Wohngemeinschaft, sondern zwei Demenz-Wohngemeinschaften.
Naja und dann mussten wir warten, bis ein Projekt groß und passend genug ist, dass wir zwei Wohngemeinschaften unterbringen. Dietramszell war es dann und Landsham auch.

MM: Ist mit den beiden Wohngemeinschaftsformen das Spektrum der MARO-Pflegeeinrichtungen abgeschlossen oder werden weitere Formen geplant?

MO: Das wird die Zukunft zeigen. Es gibt schon auch Überlegungen, bestimmte Spezialisierungen einzuschlagen, z.B. für demenziell erkrankte Menschen mit Behinderung. Da gibt es wohl recht wenig und wäre einmal eine Innovation, die uns auch interessiert. Aber so weit sind wir noch nicht.

2 Antworten auf „Die erste Pflege-Wohngemeinschaft, Interview mit Martin Okrslar“

Ich freue mich und gratuliere der MARO zu diesen Schritt – das braucht wirklich Idealismus und ein Verständnis für ältere Menschen. Haben Sie großen Dank, dass Sie sich dafür einsetzen und ich bin sicher, dass Sie den Menschen dadurch nicht nur ein Wohnen ermöglichen, sondern noch einmal ein Gefühl von Daheim sein!

Guten Morgen Frau S.
Haben Sie großen Dank für Ihre Worte! Wir bei der MARO haben das Glück, Jobs mit Sinn zu machen. Es sind Aussagen wie Ihre, die uns das bestätigen und uns antreiben weiterzumachen!
Viele Grüße, Magdaléna

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