–– Der Bau beginnt

„Wie man ein guter Bauherr wird, lernt man in keinem Buch“

Qualitätssicherung ist bei der MARO ein großes Thema

Mit den Thema „Qualitätssicherung“ hat sich die MARO in den vergangenen drei Jahren intensiv beschäftigt und ein ganzes Bündel an Maßnahmen geschnürt, um als Bauherr und Auftraggeber bestehen zu können.
Grund dafür war, dass auch die MARO – wie so mancher andere Bauherr auch – bei den ersten Projekten Lehrgeld zahlen musste.

„Wie man ein guter Bauherr wird, steht in keinem Buch, es gibt keine Seminare oder Lehrgänge“, beschreibt Martin Okrslar das Dilemma. Jeder, der ein Haus baut – sei es klein oder groß – hat typischerweise vor allem das Bild vor Augen, wie „sein“ Gebäude einmal aussehen soll. Er stellt Anforderungen an Form, Größe, Ausstattung und nicht zuletzt daran, was sein Haus kosten darf.

Mit der Frage jedoch, wie genau aus seinen Vorgaben genau „sein“ Haus entsteht, befasst er sich nicht. Muss er auch nicht, wie Martin Okrslar betont. Schließlich übergibt er die Verwirklichung seines Wohn-Traums ja an verschiedene Fachleute.

Da es für einen Bau aber immer das Zusammenspiel vieler Einzelner braucht, liegt die Krux in den Details. Und genau um diese geht es beim Thema Qualitätssicherung: „Wir möchten uns bei den Details auskennen – aber nicht den technischen, sondern den Details des Projektmanagements eines Planungs- und Bauleitungsprozesses!“, sagt Okrslar.

Es beginnt mit der Frage, ob die Qualität der Pläne stimmt, die der Architekt für das Projekt anfertigt. Um diese Frage beantworten zu können, beauftragt die MARO inzwischen bei jedem Bau einen erfahrenen zweiten Bauleiter, der die Pläne genau unter die Lupe nimmt.
„Dieser Bauleiter fragt sich zum Beispiel: Taugt der Plan etwas? Ist Qualität erkennbar? Sind die Details der Werkplanung durchdacht? Sind die erforderlichen Details überhaupt vorhanden?“

Der externe Planer habe natürlich nicht die Aufgabe, die gesamte Planung noch einmal anzufertigen. Aber er beurteilt stichprobenartig die Arbeit des Architekten. Denn problematisch sei immer der große Bereich „Werkplanung“. Der Vorstand nennt als Beispiel die Frage nach der Planung von Anschlüssen – also ob die Übergänge zwischen Laubengang und Außenwand, zwischen Fenstern und Wänden oder ob die Schallentkopplung des Aufzugs richtig durchgeplant wurden.

„Der Architekt muss das mit Hirn machen. Es reicht nicht, jemanden an die Werkplanung zu setzen, der das nur aus den Standard-Detailkatalogen rauskopiert.“, sagt Okrslar. Denn schließlich muss der ausführende Handwerker auf der Baustelle, den Plan in Händen, genau ablesen können, wie er seine Arbeiten auszuführen hat.

Im zweiten Schritt geht es darum, die Qualität der Bauphase zu sichern. Auch hier setzt die MARO zur Kontrolle auf den zweiten Bauleiter, der den im Projekt eingesetzten Bauleiter bei seiner Arbeit stichprobenartig überwacht.
Konkret soll dieser „Kontrolleur“beurteilen, ob der Bauleiter vor Ort etwas von seiner Arbeit versteht.
Ob er etwa eine fehlende oder falsche Detailplanung des Architekten selbst repariert „und hier etwas verändert und dort etwas absägen lässt“, anstatt die falsche Planung mit einer so genannten „Bedenkenanmeldung“ zu monieren. Manchmal lasse sich die Sorgfalt des Bauleiters schon daran ablesen, wie es auf der Baustelle zugehe.
Leider musste die MARO auch erst aus Schaden klug werden. „Hätten wir einen solchen externen Bauleiter in Dietramszell gehabt, dann hätte der gesehen, dass die Baustelle nicht genügend gegen Schnee geschützt war.“ Die Folge waren Verzögerungen und Mehrkosten, die sich hätten vermeiden lassen.

Wissen schafft (Planungs-)Sicherheit

Die dritte Maßnahme, die die MARO zur Qualitätssicherung ergriffen hat, ist, Wissen anzuhäufen – und zwar konkret über die Ansprüche eines Bauherren in der sogenannten Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).
Denn dies ist das gültige Regelwerk, nach dem die MARO Verträge mit Architekten schließt, und die MARO „fordert die in der HOAI beschriebenen Leistungen beim Architekten auch ein.“
Immer wieder komme es vor, dass Architekten sich in erster Linie als Planer und nicht als Projektmanager verstünden. Doch genau das schreibe die HOAI vor: Die Verantwortung des Architekten erstrecke sich zum Beispiel auch auf die gesamte Koordination aller an der Planung und (Fach-)Bauleitung beteiligten Fachleute. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Planung, sondern vor allem auch auf die Integration der Einzelplanungen, Termine und Kosten untereinander.

„In der HOAI steht: Das Arbeitsergebnis des Architekten ist ein geistiges Werk, das in dem gebauten Haus seinen Niederschlag findet“, erläutert der MARO Vorstand. Doch leider würden manche Architekten das nicht in der Weise verinnerlicht haben. Das sichere Wissen um die richtige Auslegung und Anwendung der HOAI sei deshalb das A und O beim Führen des Architekten im Projekt. Die MARO hat dafür seit Anfang 2019 einen rechtlich fundierten Fragenkatalog von Rechtsanwalt Dr. Andreas Förster erarbeiten lassen, der alle Ansprüche des Bauherren aus der HOAI in Fragen übersetzt. Zusätzlich hat die MARO selbst eine Checkliste für die einzelnen Leistungsphasen entwickelt, was vom Architekten speziell nach den Anforderungen der MARO zu erbringen hat. Damit sei die MARO in der Lage, die Leistungen systematisch abzufordern, die der Architekt nach geltender Rechtslage erbringen muss. „Das ist eindeutig ein Vorsprung, den wir gegenüber anderen Bauherren haben, und es ergibt sich daraus eine wesentlich bessere Position bei den Projekten“, sagt Okrslar.

Wichtig für die Qualitätssicherung sei natürlich auch, dass die MARO-Projektleiter sich ebenfalls im Umgang mit den Methoden am Bau und in der Planung auskennen. In Workshops werden deshalb verschiedene Einzelfragen behandelt. Und schließlich treffen sich die Projektleiter alle 14 Tage, um aus ihren Projekten zu berichten. Okrslar, der selbst einzelne Projekte leitet und deswegen bei den Treffen mit von der Partie ist, weiß den Wert dieser Treffen zu schätzen. „Dort werden auch diese Fragen besprochen“, sagt er, „außerdem tauscht man sich aus und profitiert von den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen“.

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