MARO feiert Jubiläum

Zehn Jahre – Zehn Helden

Folge 1

Martin Okrslar blickt zurück

von Jutta Baltes, 07.07.2022

Es war vollbracht: Am 21.08.2012 wurde die MARO gegründet. Auf dem „Beweis“-Foto zu sehen sind, von links nach rechts, die Gründer*innen: Die Vorstände Inge Schmidt Winkler und Martin Okrslar, Christine Fremmer, Mitglied „Nummer 1“, ein kurzzeitiges Mitglied des Aufsichtsrates, Guntram Windels, erster Vorsitzender des Aufsichtrates und seine Frau Petra Stragies, Alzheimer Gesellschaft Weilheim.

Den Anfang der MARO-Jubiläums-Serie „Zehn Jahre – Zehn Helden“ macht Vorstand Martin Okrslar, ohne den es keine MARO Genossenschaft gäbe. Denn er glaubte daran, dass es im ländlichen Raum (auch in Bayern) Demenz-Wohngemeinschaften und Mehrgenerationen-Häuser mit bezahlbarem Wohnraum dringend braucht. 

Er antwortete auf die Frage, welches seine ganz persönlichen Erinnerungen an „zehn Jahre MARO“ sind, so:

„Aus den letzten zehn Jahren erinnere ich mich an ganz viele Sachen, und es gab natürlich Ereignisse, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Aber das allerwichtigste für mich ist: Ich bin vielen Leuten wahnsinnig dankbar! So kitschig das klingt. Ohne die vielen Menschen, die die MARO von Beginn an unterstützt und begleitet haben, wäre die Idee, eine Genossenschaft zu gründen, nicht zu verwirklichen gewesen. Unsere Idee war relativ neu und ziemlich einzigartig: Der Bau von Demenz-Wohngemeinschaften und Mehrgenerationen-Wohnen auf dem Land! 

Und da gab es tatsächlich Leute, die sagten: Ich riskier was dafür. Die Mitglieder der ersten Stunde, die Aufsichtsräte und Aufsichtsrätinnen, die ersten Bewohner und Bewohnerinnen, alle, die mit uns anfangs zu tun hatten, sind schon ein Risiko eingegangen, als sie sich entschlossen haben, ihre Energie für eine gerade gegründete Genossenschaft einzusetzen. 

Zu allererst fällt mir natürlich Inge Schmidt-Winkler ein, die sich so spontan für die Idee begeistert und sie mit mir weiterentwickelt hat. Und die damals gar nicht lange überlegen musste, um mit mir zusammen daran zu arbeiten. Sie ist ein großes Risiko eingegangen, als sie dann auch ihren Beruf an den Nagel gehängt hat. Sie hat von Anfang an unglaublich engagiert daran mitgearbeitet, die MARO – und als Meilenstein das erste Projekt in Weilheim – ins Leben zu bringen! 

Ich denke aber auch an Guntram Windels, der ja leider schon verstorben ist, und seine Frau Petra Stragies. Guntram Windels war der erste Vorsitzende des Aufsichtsrates, mit ihm zusammen habe ich die Satzung der MARO erarbeitet. Er hat mir viele viele Ratschläge gegeben. Und er hat immer gesagt: ‚Du musst dir nicht so viele Gedanken machen. Es ist gut so, wie wir es jetzt machen.’

Guntram Windels war ein Mutmacher und ich bin einfach sehr dankbar für seine Hilfe und Unterstützung. Und seine Frau, Petra Stragies, hatte zehn Jahre vorher die Alzheimer Gesellschaft in Weilheim gegründet, der wir auch heute noch sehr verbunden sind. Die Alzheimer Gesellschaft hat sozusagen ihr Renomée dafür hergegeben, damit wir unser Projekt in Weilheim verwirklichen konnten. Wir durften auf die Arbeit der Alzheimer Gesellschaft aufbauen, und das hat damals sehr viele Türen geöffnet. Auch dafür kann ich nicht dankbar genug sein.  

Mut gemacht und immer nach vorne geschaut hat auch Christine Fremmer, die die Mitglieds-Nummer „1“ hat und die uns von Anfang an als Aufsichtsrätin begleitet hat. Sie sagte immer, dass man sich auch was trauen muss, wenn man vorankommen will. Dass man aber auch rechtzeitig Strukturen aufbauen und die von der Zukunft her denken muss – und eben nicht von dem, was heute „doch offensichtlich“ funktioniert. Das fand und finde ich sehr wichtig und richtig und inspirierend. Sie war es, die vorhergesehen – und die es so auch damals auch zu meiner Frau gesagt hat – dass es zehn Jahre dauern würde, bis sich ein junges Unternehmen etablieren kann. Und: Wie man sieht, hat sie recht behalten!

Ich weiß, das klingt immer so kitschig, aber so ist es eben: Ich bin allen so unheimlich dankbar!

Meiner Frau, weil sie gesehen hat, wie wichtig mir das ist. Wir waren damals eine junge Familie, die gerade ihr zweites Kind bekam, und sie hat mich dabei unterstützt, dass ich meinen Job kündige und damit quasi unsere Existenz aufs Spiel setze. Das war schon was, das ganz und gar nicht selbstverständlich ist! 

Ich danke auch allen Mitgliedern, die sich damals und heute dazu entschließen, uns zu vertrauen, allen Bewohnerinnen und Bewohnern in den Häusern, die sich für die Gemeinschaft engagieren, allen Mitgliedern der Gremien in den Demenz-Wohngemeinschaften, die ihre Energie da reingeben, und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die so engagiert in ihrem Job sind. Klar, man sagt immer, dass diese Menschen das ja auch für sich tun. Aber ich finde, man darf nicht vergessen, dass sie alle es auch für alle anderen tun. 

Ich finde das wahnsinnig toll.

Natürlich blicke ich auch zurück auf die Energie, die ich selbst da reingegeben habe. Das war schon eine echte Ochsentour. 55 Arbeitsstunden plus waren damals normal. Und für meine Vorstands-Kollegin Inge Schmidt-Winkler war das ganz genauso.

Ich erinnere mich an die Zeit, als unser Büro noch in der Blutenburgstraße war. Die Leute gingen  draußen vorbei, wenn sie ins Blutenburg-Theater wollten. Sie sahen mich durch die großen Fenster am Schreibtisch sitzen  – und als sie wieder rauskamen, saß ich noch immer an derselben Stelle. Ich habe an solchen Abenden einfach alles weggearbeitet, was auf dem Schreibtisch lag. Bis es geschafft war. Restlos. 

Heute wäre das nicht mehr machbar, ich hätte einfach die Kraft nicht mehr. Es war ja auch für meine Familie kein Dauerzustand. 

Ich glaube, eine der wichtigsten Aufgaben war es, nicht die Zuversicht zu verlieren. Es kann nicht immer alles nur „top“ sein. Wir haben von Anfang längst nicht alles perfekt gemacht – es gab aber immer den Anspruch es gut zu machen. Und, wenn nötig, es noch besser hinzukriegen. 

Dazu gehört auch eine Fehlerkultur. Die haben wir uns einfach gegönnt – und gönnen sie uns noch immer. Ich finde, das sollten sich auch die Häuser gönnen und die Angehörigen-Gremien: Es muss nicht immer sofort perfekt funktionieren. Wir machen eben Fehler. Aber wir können daraus etwas lernen und es dann besser machen. 

Das ist die Breite der Emotionen, auf die ich zurückblicke, wenn ich zehn Jahre MARO an mir vorbei ziehen lasse. 

Besonders fordernd war natürlich das Jahr 2019, als Inge Schmidt-Winkler wegen der Erkrankung ihres Mannes ausfiel. Das war sehr einschneidend, und ohne die Unterstützung so vieler Menschen in der MARO hätten wir die Situation nicht gemeistert. 

Hier kommt wieder meine „kitschige“, aber ganz ehrliche Dankbarkeit ins Spiel. 

Ich erinnere mich übrigens auch noch genau an die Einweihungsfeier unseres ersten Projekts in Weilheim. Es war ein heißer Sommertag und wir haben dort im Garten einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert – und ich bin aus dem Heulen gar nicht mehr rausgekommen. Die Leute waren in den Wohnungen eingezogen, die Zimmer in der Demenz-Wohngemeinschaft waren belegt. Wir hatten es tatsächlich geschafft – wir alle zusammen, die ganze MARO! Ich finde das auch heute noch unwahrscheinlich toll.“ 

 

2014: Konzentrierte Arbeit am Konzept und Satzung in den Räumen der Alzheimer Gesellschaft in Weilheim. 

 

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