–– Miteinander Reden

Reden, aber miteinander!

Teil 2: MARO Mitglied Jürgen Nefzger, Paarberater, fasst zusammen worauf es ankommt.

`Wir müssen einfach mal miteinander reden!´ Um Konflikte zu vermeiden oder gar aufzulösen, ist dieser Vorsatz doch ein guter Anfang. Oder etwa nicht? – Im Prinzip schon, aber jeder kennt das: Wenn es um den Austausch verschiedener Standpunkte oder gar um angestaute Gefühle geht, ist der Weg zum „Miteinander“ mit ganz schön vielen Fallstricken und Stolpersteinen bestückt.
Was also tun, damit das Reden auch gelingt?
Jürgen Nefzger, Paarberater und langjähriges MARO-Mitglied aus Murnau, stellt für die MARO post eine von vielen Methoden* vor. „Sie hat sich bewährt.“, betont er, „Das konnte auch in begleitenden Studien bestätigt werden.“

Kernpunkt der Methode ist: Nur ein Gesprächsteilnehmer bekommt das Wort. Der Andere schlüpft in die Rolle des aktiven Zuhörers.
Klingt einfach – aber es sind einige Regeln zu beachten. Hier sind sie in Kürze:

Sprecher/in:
versendet Ich-Botschaften, spricht von sich, benutzt „ich“ anstatt „man“ und vermeidet „Du“-Sätze, weil sie oft Vorwürfe und Anklagen sind;
spricht konkrete Situationen an, nennt Beispiele („Ich denke zum Beispiel an..“), vermeidet Verallgemeinerungen und Worte wie „immer“ oder „nie“;
spricht konkretes Verhalten an, beschreibt tatsächlich erlebte Vorgänge („ich habe gesehen, erlebt..“) und vermeidet Verallgemeinerungen und Zuschreibungen wie „typisch“, „langweilig“, „unfähig“, etc. ;
bleibt beim Thema, spricht nur über Inhalte, die den gewählten Sachverhalt verdeutlichen;
öffnet sich, beschreibt, was in ihm /ihr vorgeht, äußert Gefühle und Bedürfnisse.

Zuhörer/in:
zeigt aufnehmendes Zuhören, sendet non-verbale Botschaften (Nicken, unterstützende Gesten, zugewandte Körperhaltung, Blickkontakt) und auch unterstützende Worte („Ich würde gerne mehr davon hören“,…);
fasst zusammen, wiederholt, was er/sie gehört und verstanden hat, ohne es zu bewerten oder einzuordnen;
äußert offene Fragen zum Inhalt des Gesagten oder auch zu den Gefühlen des Sprechenden, wenn er/sie nicht sicher ist, was der Sprechende empfindet;
äußert Lob, („Ich bin froh, dass du so offen bist“);
meldet das ausgelöste Gefühl zurück, benutzt dabei nur Ich-Botschaften („Ich bin überrascht, dass du das so siehst“ statt „Das stimmt nicht!“)

Wichtig dabei ist: Die Rollen werden immer wieder getauscht. Und Jürgen Nefzger empfiehlt, die Verteilung der Rollen auch optisch hervorzuheben. Indem ein vorher festgelegter Gegenstand hin und hergereicht wird zum Beispiel, oder besser: eine Karte auf der „Wort“ oder „Sprecher*in“ geschrieben wurde. Der Wechsel kann mehrfach stattfinden – so oft es den Partnern notwendig erscheint.

Nefzger gibt zu, dass die Methode zunächst sperrig zu sein scheint: „Die ganze Sache ist sehr schulmeisterlich, aber sie hat sich sehr bewährt.“ Er findet, dass es am besten ist, wenn sich die Parteien anfangs Hilfe von einer dritten Person holen – oder gleich einen entsprechenden Kurs buchen – damit die Methode nach dem Einüben am Ende auch klappt oder gar zur guten Gewohnheit wird.
Die fünf Regeln sind sowohl für die Sprecher- als auch für die Zuhörerrolle bedeutsam. „Normalerweise“, sagt Nefzger „sind wir allerdings besser im Reden als im Zuhören.“
Vor allem das Zuhören will also gelernt sein. Der Berater erklärt es so: „Es geht darum, dem Anderen zu erkennen zu geben: Ich habe gut zugehört und es interessiert mich, was du zu sagen hast.“

Ziel sei letztlich, sich einander zuzuwenden und in einer Konflikt-Situation aufeinander zuzugehen, alte Vor-Urteile und Gewohnheiten über Bord zu werfen und den Partner (wieder) zu verstehen – und das nicht nur den Worten nach.

* Die Methode geht unter anderem zurück auf Joachim Engl / Franz Thurmaier. Literatur-Tipp: (u.a.) Wie redest du mit mir? Fehler und Möglichkeiten der Paar-Kommunikation, Herder-Verlag.
Übrigens: Kurse in KEK (=„Konstruktive Ehe und Kommunikation“) findet man im Internet, zum Beispiel hier: https://www.epl-kek.de/anbieter.html

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