„Altes Krankenhaus“ Wolfratshausen

Schöne alte Bodendielen sollen wieder glänzen

von Jutta Baltes, 16.06.2022

Für neue Leitungen: Der Durchbruch erlaubt Einblicke in den 200 Jahre alten Boden-Decken-Aufbau.

Das Alte Krankenhaus in Wolfratshausen offenbart seine Schätze. Auch und gerade, weil es sich nun verändert und zu einem Teil des MARO-Projekts „Sauerlacher Straße“ wird. Mit Wohnungen und Gewerbeeinheiten werden die Räume des 1823 erbauten denkmalgeschützten Gebäudes zu neuem Leben erweckt, und der Weg dorthin ist zu einem kleineren Teil schon geschafft. „Der klassische Rohbau ist fertig“, erläutert Projektleiter Ralf Schmid. 

Die Bauarbeiten offenbaren einen ganz besonderen Einblick in die Baugeschichte des Hauses. Und zwar ausgerechnet durch eine Öffnung, die im Inneren des Hauses zwischen den Geschossen geschaffen werden musste, um das „technische Innenleben“ des Hauses auf den neuesten Stand zu bringen. Denn durch das „Loch“ wurde die noch im Original erhaltene Boden- bzw. Deckenkonstruktion mit Balken, Querlattung und einer Dämmung aus Stroh sichtbar. Und „original“ bedeutet hier: Die Materialien sind fast genau 200 Jahre alt! 

Auch „original“ und damit im gleichen Alter sind die langen Bodendielen, die die Planer im Dachgeschoss des Hauses fanden. Sie sollen herausgenommen und so aufgearbeitet werden, dass Schönheit und der besondere Charakter des alten Holzes wieder zum Vorschein kommen. Denn: Die „neuen alten“ Dielen werden in den beiden Wohnungen im ersten Obergeschoß des Denkmals wieder verlegt. Das ist nicht nur nachhaltig – es ist auch eindeutig sehr besonders. Die MARO freut sich mit den neuen Bewohnern und Bewohnerinnen, dass dieses schöne „Upcycling“ möglich ist.

Natürlich wird das alte Haus an moderne Standards angepasst. Dafür wurden die gesamte Elektrik, alle alten Leitungen samt Grundleitungen bereits entfernt. Der Einbau der modernen Leitungen steht noch an, die Heizanlage im Neubau wird auch das Denkmal mit Wärme  versorgen. 

In den vergangenen Wochen hat sich auch von außen sichtbar einiges getan, um das Denkmal zu erhalten. Denn das Gebäude musste – jedenfalls da, wo es keinen Keller gibt – untermauert werden. Das geschah mit einem speziellen Verfahren, bei dem Beton ins Erdreich gespritzt wird. Noch sind die fünf runden Metall-„Anker“ zu sehen, doch sie werden unter dem Erdreich verschwinden. 

Die augenscheinlichste Veränderung an der Fassade ist, dass der frühere Eingang an der Sauerlacher Straße wieder geöffnet wurde. Hier wird man nach der Fertigstellung des Projekts das Haus wieder betreten – also ganz so, wie es vor 200 Jahren war. An anderen Stellen wurden dagegen Fenster geschlossen, Innentüren zugemauert. Und im ersten Stock wird es einen kleinen Balkon geben, der durch eine Fenstertür zu betreten ist. Alle Veränderungen – innen und außen –  werden natürlich eng mit dem Denkmalamt abgestimmt und sind längst genehmigt.  

In Wolfratshausen an der Sauerlacher Straße entstehen, auf Denkmal und Neubau verteilt, insgesamt 24 barrierefreie, genossenschaftliche Mietwohnungen und zwei Gewerbeeinheiten.

 

Die fünf schwarzen Anker für die Untermauerung sind noch gut zu sehen

Noch grau und unscheinbar sind die langen Bodendielen

 

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