MARO feiert Jubiläum
Zehn Jahre – zehn Helden
Folge 4

An einem trostlosen Tag begann eine großartige Geschichte

von Jutta Baltes, 24.11.2022

Ohne sie beide hätte es die MARO vielleicht nicht gegeben: Marianne und Josef Geith, hier mit den Vorständen Inge Schmidt-Winkler und Martin Okrslar im Jahr 2014

„Wir haben den beiden so viel zu verdanken“, sagt Vorstand Martin Okrslar und denkt zurück an das Jahr 2012. Es war im November an einem sehr trostlosen Tag: „Ich stieg aus dem Zug in Weilheim und machte mich auf den Weg zu einem Grundstück.“. Seine Hoffnung war so am Boden wie die Atmosphäre des trostlosen Tages niederdrückend war. Denn: Die gerade gegründete Genossenschaft war noch ohne Grund und Boden für ihr erstes Projekt. Und das, was Martin Okrslar und Inge Schmidt-Winkler bis zu diesem Tag bei der Suche danach erlebt hatten, war – trotz aller Bemühungen – nicht gerade ermutigend.

Die allerersten Aussichten auf ein Grundstück in Weilheim hatten sich zerschlagen – und damit das Vorhaben, bald mit dem ersten Projekt starten zu können. Zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel und der damaligen Vorsitzenden Petra Stragies hatten die beiden Vorstände den Weilheimer Bürgermeister aufgesucht. Der kannte zwar einige Grundstücke – aber keinen einzigen der Eigentümer.

Martin Okrslar versuchte es, mit den Adressen der Grundstücke im Gepäck, auf gut Glück. Und so war er an diesem trüben Novembertag vorher schon X-Mal aus dem Zug gestiegen und jedes Mal ernüchtert wieder zurück gefahren: Niemand wollte mit der kleinen, gerade aus der Taufe gehobenen und völlig unbekannten Genossenschaft Geschäfte machen. 

„Nach den bisherigen Erfahrungen kam es mir ziemlich hoffnungslos vor, bei den Geiths zu fragen“, erinnert sich der Vorstand. Er näherte sich dem Haus des Ehepaars, einer stillgelegten Gärtnerei am Rande der Stadt, und nur wenige Schritte von der Ammer entfernt. Er drückte auf die Klingel und wartete. 

„Es öffnete eine ältere Frau. Ich brachte vor, worum es mir ging, dass wir also die MARO wären und gerne eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke bauen und ins Leben rufen würden – und die Dame, das war Marianne Geith, bat mich herein.“

Am Küchentisch saß ihr Mann, Josef Geith, damals schon weit über 80 Jahre alt. Das Ehepaar nahm Martin Okrslar buchstäblich in ihre Mitte: „Sie baten mich am Kopfende Platz zunehmen, so dass Frau Geith links von mir saß und Herr Geith rechts. Und dann haben sie sich alles angehört, was ich zu sagen hatte.“

Womit Martin Okrslar nicht gerechnet hatte: Die Geiths wussten das meiste schon. Denn sie hatten von der MARO und ihren Plänen in der Zeitung gelesen, auch einige unschöne Leserbriefe verfolgt. Und plötzlich, erinnert sich der Vorstand, habe Frau Geith ihren Mann angesehen und gesagt: „Josef, i hab mir schon länger denkt, dass mir vo unserm Grund dene was abgeben kannten – aber i hab nix gsagt.“ Und ihr Mann antwortete: „Marianne, des hob i mir a schon denkt, aber i hob a nix gsagt.“ 

Damit war die Sache besiegelt und beschlossen: Das kinderlose Ehepaar Josef und Marianne Geith verkaufte das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei an die MARO Genossenschaft. Aus verschiedenen Gründen dauerte es dann noch eine Weile. Aber am 25.02.2014 ging das Grundstück in den Besitz der MARO über, das Projekt in der Paradeisstraße mit zwei Demenz-Wohngemeinschaften und 13 Wohnungen konnte gebaut werden – was die Geiths auch dadurch ermöglichten, dass sie großzügig Anlegeranteile zeichneten.  

„Das Ehepaar Geith war uns immer verbunden“, sagt Martin Okrslar. Es habe sich mit der Zeit sogar ein enges persönliches Verhältnis entwickelt. Irgendwann vertraute Josef Geith dem MARO-Vorstand seine traumatischen Erlebnisse in Krieg und russischer Gefangenschaft an, obwohl er noch nie vorher darüber gesprochen hatte. Okrslar: „Das war sehr bewegend“.

Das Ehepaar Geith zog im Jahr 2018 in das städtische Bürgerheim um. Josef Geith verstarb im Dezember 2018, Marianne Geith im August 2019. 

Die beiden Demenz-Wohngemeinschaften der MARO in Weilheim sind nach dem Ehepaar benannt: „Josef“ und „Maria“ –  was nicht ganz korrekt war. Warum? „Der Name ‚Maria‘ war in vielen offiziellen Papieren fälschlich vermerkt und wir haben ihn übernommen“, erklärt Martin Okrslar. „Wir haben relativ lange gebraucht, bis wir das gemerkt haben. Der falsche Name ‚Maria’ stand schon fest, als Frau Geith uns darüber aufgeklärt hat, dass sie eigentlich Marianne heißt.“

Ob „Maria“ oder „Marianne“ – die MARO wird das bemerkenswerte Ehepaar jedenfalls im Gedächtnis behalten. Nicht nur zum Zehnjährigen!

 

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