Wolfratshausen

Historischer Verein auf Spurensuche im Denkmal

von Jutta Baltes

Zum allersten Mal sahen sie live und in aller Ausführlichkeit, wofür sie jahrelang gekämpft haben: Mitte Januar hatten die Vorstandsmitglieder des Historischen Vereins Wolfratshausen die Möglichkeit, das Alte Krankenhaus weiter als nur bis knapp hinter die Eingangstür zu betreten. MARO-Projektleiter Ralf Schmid ermöglichte die Begehung und lud auch Max-Emanuel Mantel vom Architekturbüro Florian Nagler aus München dazu ein. „Es war sehr beeindruckend und ich bin auch sehr froh, dass wir das Gebäude retten konnten“, sagt Dr. Kaija Voss. 

Die Architekturhistorikerin ist Schriftführerin des Historischen Vereins Wolfratshausen. Und sie war es, die durch ihre Recherche verhindert hat, dass das Alte Krankenhaus abgerissen wird. Denn genau das war geplant: 1983 stellte die damalige Verwaltung der Stadt Wolfratshausen einen Bebauungsplan auf, der vorsah, das klassizistische Gebäude niederzureißen. 

Der Historische Verein und vor allem Dr. Kaija Voss wurden aktiv – und sie fand heraus, dass das Alte Krankenhaus schon knapp zehn Jahre vor dem umstrittenen Bebauungsplan in die Denkmalliste aufgenommen worden war. Das Haus blieb – der Rest ist Geschichte.

Erst das Vorhaben der MARO, das gesamte Grundstück für den Neubau eines Wohnprojekts zu nutzen, weckte das historische Krankenhaus aus dem Dornröschenschlaf.  Die Genossenschaft arbeitet eng mit dem Denkmalamt zusammen, und so untersuchte Dr. Florian Dobler, Denkmalpfleger, Restaurator und Kunsthistoriker, das 1823 / 24 erbaute Gebäude und erstellte ein umfangreiches Gutachten. 

„Was mich begeistert, ist, dass die klare Raumstruktur des Hauses erhalten geblieben ist“, sagt Dr. Kaija Voss. Das Krankenhaus hat noch heute seinen strengen klassizistischen Grundriss mit symmetrisch angeordneten Räumen rechts und links des Mittelgangs.

Besonders beeindruckt ist sie auch von den verborgenen Schätzen, die der Gutachter zutage förderte. So legte er in dem ehemals als Kapelle genutzten Raum Teile einer aufwändigen spätbarock-illusionistischen Wandmalerei frei. „Das zu sehen, war wirklich toll“, sagt Dr. Kaija Voss. Die Malerei wird nach den Wünschen von Dobler und Denkmalamt später wieder unter schützendem Putz und Anstrich verschwinden.

Der Denkmalschützer entdeckte unter mehreren Schichten von Holzlatten, Faserplatten und PVC-Belägen auch noch Teile der ursprünglichen Dielenböden, die mit handgeschmiedeten Nägeln befestigt waren. Auch einige Fenster, Simse und Innentüren sowie die Putzdecken in Erd- und Obergeschoss sind noch im Originalzustand von 1823/24 erhalten. 

 „Ich brenne für historische Bauten“, sagt die Architekturhistorikerin, „da liegt mir jedes Krümelchen am Herzen“.  Sie ist überzeugt, dass das zweitälteste Krankenhaus im Landkreis Bad Tölz nach Restaurierung und vorsichtigem Umbau durch die MARO „ein superschönes Schmuckstück für Wolfratshausen wird“ Denn: „Wer hat schon ein klassizistisches Krankenhaus?“

Der Historische Verein möchte den jetzigen Zustand des Gebäudes festhalten, die weiteren Restaurierungsschritte begleiten und aus allem eine Dokumentation erstellen. Für MARO-Projektleiter Ralf Schmid ist es selbstverständlich, dass die Genossenschaft dabei Unterstützung anbietet, wo sie gebraucht wird. 

Ebenfalls geplant ist eine gemeinsame Veranstaltung, bei dem Dr. Florian Dobler seine Ergebnisse vorstellen soll.  Wunsch aller wäre es,  ihn am bundesweiten „Tag des Denkmals“ am 11.09.2022 zu platzieren – oder um diesen Termin herum. Natürlich wird sich die MARO auch daran tatkräftig beteiligen, die Planungen laufen schon. 

Auf dem Foto zu sehen sind (von rechts nach links): Dr. Sybille Kraft (Vorsitzende des Historischen Vereins), Architekt Max-Emanuel Mantel,  Dr. Kaija Voss (Schriftführerin), Justine Bittner (Beirätin) und Bernhard Reisner (Stellv. Vorsitzender). Fotos: ®MARO

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